A u f d e r a n d e r e n S e i t e
Ich sitze hier auf der anderen Seite,
Und schaue zu Dir hinüber,
In eine leere Weite,
Ich spüre die Kälte des Lebens in mir
und fühle meine Sehnsucht nach Dir.
Mit Dir zusammen will ich bleiben,
Weil ich Dich schrecklich liebe!
Ich bin noch immer in der Leere,
Nichts gibt es, was mein Herz erfreut,
Statt dessen ist dort diese Schwere;
Ach, könntest Du doch bei mir sein!
So war es gestern, so ist es heut',
Warum läßt Du mich nur allein?
10.08.1997
G e b e t
Laß' niemals zu, daß ich getrennt von Dir,
Du, der uns allen Gnade spendet,
Auch schlechten Menschen macht es oft Pläsier,
Wenn alles sich zuletzt zum Guten wendet.
Vergib, was Menschen andern angetan,
Denn nur Du selbst kennst unser aller Herzen,
Und was passiert, auf dieser schönen Erde,
Nur Du allein heilst mancher Leute Schmerzen.
Du bist die letzte Hoffnung dieser Welt,
Du bist es, der uns glücklich macht,
Es ist Dein Wille, der uns am Leben hält,
Das hellste Licht in finstrer Nacht.
28.09.1997
M e l a n c h o l i e
Die Blätter sind schon alle abgefallen,
Ein letzter Vogel zieht,
Am Morgen dichte Nebel wallen,
Die Wärme vor der Kälte flieht.
Die Welt ist grau in grau und leer,
Es weht ein kalter Wind,
Ach, könnte ich doch auch dort sein,
Wo meine lieben Freunde sind.
Ein tristes Band hüllt fester ein,
Die Welt und auch den Sonnenschein,
Wie hoffnungslos erscheint die Zeit,
Denn was uns fehlt,
Ist Fröhlichkeit.
Die stille Zeit beginnt aufs neue,
Wir halten diesem Brauch die Treue,
Bald sinken weiße Flocken nieder,
Die Menschen singen Weihnachtslieder,
Der Zauber von der Weihnachtsnacht,
Wird wieder uns zurückgebracht.
19.10.1997
(Die Sehnsucht nach Sonne und viel mehr,
Rührt hier von diesen Zeilen her.)
19.10.1997
F ü r m e i n e E l t e r n
Kühl ist die sanfte Abendbrise,
Die ich mit Ihnen sehr geniese,
Und spüre nur Geborgenheit.
Sie sind es, die mich halten,
Wenn ich falle,
Sie sind es, die mich immer lieben,
Wie ich bin,
Und scheint das Leben bitter mir, wie Galle,
Dann geben sie ihm wieder neuen Sinn.
Denn ich weiß, daß ich mich immer
Auf sie verlassen kann!
Angefangen schon mit jenem Wunder,
Als mein junges Dasein jäh begann.
Uns trägt das Leben uns
Auf fremden Schienen
- Eins ist gewiß:
Ich halte stets zu ihnen.
Oktober 1997
F ü r A n n e F r a n k
So jung warst Du und mußtest sterben,
Doch konntest Du die Welt beerben,
Mit Deinem Tagebuch.
Zwar hat der Mut dich oft verlassen,
Doch bliebst Du fröhlich und auch heiter,
Du zeigst den ganzen Menschenrassen:
"Das Leben geht trotzdem weiter!"
Mit Deinem Tagebuch,
So ist der Tag der Toten heute wieder,
Wir knien alle an den Gräbern nieder,
Der Winter sendet dunkel seine Boten,
Du aber zeigst uns Lebensmut und Stärke
Mit Deinem Tagebuch.
Nun ist das Grauen fort, das Dich erdrückte,
Doch bist Du selber unvergessen,
So denke an Dein Lächeln, das Dich schmückte,
Du mahnst uns heute, morgen, alle Zeit
Mit Deinem Tagebuch.
01.11.1997 (Allerheiligen)
B l a u e S t u n d e
Die blaue Stunde kommt hernieder
Und langsam wird es wieder Nacht,
Ein Tag sucht still nach seinem Ende,
Hat er wohl jedem Glück gebracht?
Blaue Stunde, hüllst alles in magisches Licht,
Doch uns're Sorgen und Probleme
Verdeckst Du nicht.
20.11.1997
A b s c h i e d
Heute ist es das letzte Mal,
Daß ich Deine Wange sanft berühre.
Ich fühle mich so leer und schal;
Oh, wie wohl ist mir,
Wenn ich Deine Hand auf meiner,
Wenn ich Dich in meiner Gegenwart
So zärtlich spüre.
Habe ich Dir je gesagt,
Wie sehr ich Dich liebe?
- Doch es ist Abschied.
Und was bleibt, ist die Erinnerung,
Wenn ich den Sand der Zeit
Durch meine klammen Finger siebe.
Das was ich tat, vor all den Tagen,
Nun liegt es schon zurück - so weit;
Was kann ich denn noch anderes sagen, als:
"Es tut mir leid ..." ?
- Bald naht der Abschied.
Es ist doch dieses Leben
Nichts weiter als ein kurzes Lied.
10.02.1998
W e r d e n w i r j e m a l s v e r s t e h e n?
Werden wir jemals verstehen,
Wohin des Menschen Zeit entflieht?
- Zu viele Jahre vergehen
- Und nichts geschieht.
Werden wir jemals erahnen,
Was nach uns wohl kommen mag?
Das Leben zieht seine Bahnen
In jeder Woche,
An jedem Tag
Ganz gleich, was wir jemals erreichen,
Die Ewigkeit holt alles ein.
Am Ende wird alles verbleichen
- Und jeder ist allein
22.03.1998
Z u r E r m a h n u n g
(10 Jahre Tschernobyl)
Das Land, in dem kein Vogel mehr singt,
Ist weit.
Nur Stille herrscht, kein Lachen klingt,
Zu keiner Zeit.
Wir sollten uns selbst ermahnen!
Ist das uns die Technik denn Wert?
Niemand blieb unversehrt,
Den Schrecken kann keiner erahnen.
Das Land, in dem kein Vogel mehr singt,
Ist einsam.
Wir sollten alle daran denken
Gemeinsam!
26.04.1998
Fortsetzung folgt - Philipp Bock